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Energieausweis richtig lesen & verstehen: Primär- und Endenergiebedarf, Skala und Kennwerte

Sie öffnen Ihren Energieausweis und sehen eine Farbskala, verschiedene Energiekennwerte und Angaben in kWh/(m²·a). Doch was davon ist wirklich wichtig? Wer die richtigen Stellen kennt, kann die energetische Qualität eines Gebäudes deutlich besser einschätzen. Wir erklären Ihnen, wie Sie die Skala lesen, was Primär- und Endenergie bedeuten und wie Sie die Kennwerte Ihres Energieausweises richtig einordnen.

Wo stehen welche Angaben im Energieausweis?

Ein Energieausweis umfasst fünf Seiten. Welche davon für die energetische Bewertung besonders wichtig ist, hängt von der Art des Ausweises ab. Beim Bedarfsausweis finden Sie die berechneten Energiekennwerte auf Seite 2. Beim Verbrauchsausweis stehen die Werte zum tatsächlichen Energieverbrauch auf Seite 3.

Bleibt eine dieser Seiten leer, fehlt also nichts. Ihr Energieausweis basiert entweder auf dem berechneten Energiebedarf oder auf den erfassten Verbrauchsdaten. Wie sich beide Verfahren unterscheiden, erfahren Sie in unserem Ratgeber Verbrauchs- und Bedarfsausweis im Vergleich.

Auf Seite 1 finden Sie zunächst Angaben zum Gebäude und zum verwendeten Verfahren. Interessant wird anschließend die farbige Skala: Sie hilft Ihnen dabei, den Energiekennwert des Gebäudes auf einen Blick einzuordnen. Doch bevor wir uns die Farben und Effizienzklassen genauer ansehen, lohnt sich ein Blick auf die Werte dahinter.

Was bedeutet der Endenergiebedarf im Energieausweis?

Der Endenergiebedarf gibt an, wie viel Energie ein Gebäude rechnerisch benötigt. Berücksichtigt werden unter anderem Heizung und Warmwasser. Der Wert stammt nicht von der letzten Heizkostenabrechnung, sondern wird anhand der Eigenschaften des Gebäudes berechnet.

Im Energieausweis begegnet Ihnen der Wert in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, kurz kWh/(m²·a). Stehen dort beispielsweise 100 kWh/(m²·a), entspricht das einem berechneten jährlichen Energiebedarf von 100 Kilowattstunden je Quadratmeter Gebäudenutzfläche.

Beim Verbrauchsausweis sieht die Sache etwas anders aus. Dort finden Sie statt des berechneten Endenergiebedarfs den Endenergieverbrauch. Grundlage sind die erfassten Verbrauchsdaten des Gebäudes. Deshalb beeinflusst auch das Heizverhalten der Bewohner den Wert.

Genau dieser Unterschied ist beim Lesen wichtig: Der Endenergiebedarf beschreibt das Gebäude anhand einer Berechnung. Der Endenergieverbrauch zeigt dagegen, welche Energiemenge auf Grundlage der Verbrauchsdaten tatsächlich erfasst wurde.

Was sagt der Primärenergiebedarf aus?

Der Primärenergiebedarf betrachtet nicht nur die Energie, die am Gebäude benötigt wird. Er berücksichtigt auch den Aufwand, der entsteht, bevor der jeweilige Energieträger dort ankommt. Dazu zählen vorgelagerte Prozesse der Energiegewinnung und Bereitstellung.

Deshalb können zwei Gebäude mit einem ähnlichen Endenergiebedarf beim Primärenergiebedarf unterschiedlich abschneiden. Der verwendete Energieträger spielt bei diesem Kennwert eine wichtige Rolle.

Für Sie als Leser bedeutet das: Endenergie und Primärenergie beantworten zwei unterschiedliche Fragen. Die Endenergie hilft dabei, den Energiebedarf des Gebäudes einzuordnen. Die Primärenergie erweitert den Blick auf die dafür eingesetzte Energiequelle und deren vorgelagerte Prozesskette.

Wer abschätzen möchte, wie energieeffizient eine Immobilie ist, sollte deshalb nicht einen einzelnen Wert isoliert betrachten. Erst zusammen mit der Energieeffizienzklasse und den weiteren Angaben im Energieausweis ergibt sich ein aussagekräftigeres Bild.

Wie liest man die Skala im Energieausweis?

Die Farbskala gehört zu den Angaben, die im Energieausweis sofort ins Auge fallen. Sie reicht von Grün bis Rot und ordnet Wohngebäude den Energieeffizienzklassen A+ bis H zu. Je weiter links der Kennwert liegt, desto geringer ist der ausgewiesene Energiebedarf beziehungsweise Energieverbrauch.

Ein Gebäude der Klasse A+ weist einen sehr niedrigen Energiekennwert auf. Am anderen Ende der Skala steht die Klasse H mit entsprechend hohen Werten. Dazwischen lässt sich schnell erkennen, wie das Gebäude energetisch einzuordnen ist.

Schauen Sie dabei nicht nur auf den Buchstaben. Entscheidend ist auch der konkrete Wert in kWh/(m²·a). Zwei Immobilien derselben Effizienzklasse können unterschiedliche Energiekennwerte aufweisen, weil jede Klasse einen bestimmten Wertebereich abdeckt.

Für Käufer und Mieter liefert die Skala damit eine erste Orientierung. Sie ersetzt allerdings keinen Blick auf das Gebäude selbst. Zustand der Heizung, Dämmung oder bereits erfolgte Modernisierungen liefern weitere Hinweise darauf, welcher energetische Aufwand bei der Immobilie zu erwarten ist.

Bedarfsausweis und Verbrauchsausweis richtig lesen

Ein Wert im Energieausweis lässt sich nur richtig einordnen, wenn Sie wissen, wie er zustande gekommen ist. Beim Bedarfsausweis basiert die Bewertung auf einer Berechnung des Gebäudes. Beim Verbrauchsausweis bilden dagegen die erfassten Verbrauchsdaten die Grundlage.

Das macht beim Lesen einen spürbaren Unterschied. Ein sparsamer Haushalt kann den Endenergieverbrauch eines Gebäudes niedrig halten. Wird viel geheizt, fällt der Verbrauch entsprechend höher aus. Der Bedarfsausweis ist weniger vom Verhalten der Bewohner abhängig, weil hier vor allem die baulichen Eigenschaften und die Anlagentechnik in die Berechnung einfließen.

Vergleichen Sie Energieausweise verschiedener Immobilien, sollten Sie deshalb zuerst prüfen, welche Ausweisart vorliegt. Ein Verbrauchswert und ein berechneter Bedarfswert entstehen auf unterschiedlichen Grundlagen und lassen sich nicht ohne Weiteres gleichsetzen.

Falls Sie selbst einen Energieausweis benötigen, hängt vom Gebäude ab, welches Verfahren infrage kommt. Auf unseren Seiten zum Bedarfsausweis und Verbrauchsausweis finden Sie die jeweiligen Voraussetzungen und benötigten Angaben.

Welche Angaben im Energieausweis sollten Sie außerdem prüfen?

Die Energiekennwerte stehen zwar im Mittelpunkt, doch sie erzählen nicht die ganze Geschichte. Wenn Sie einen Energieausweis richtig lesen möchten, lohnt sich deshalb auch ein Blick auf die weiteren Angaben im Dokument.

Achten Sie insbesondere auf:

Werden einzelne Angaben genauer betrachtet, lässt sich der Energieausweis deutlich besser einordnen. Besonders bei einem geplanten Kauf sollten Sie sich daher nicht allein an der Effizienzklasse orientieren. Bei gewerblich oder anderweitig nicht zu Wohnzwecken genutzten Immobilien gelten teilweise andere Anforderungen. Welche Angaben hier relevant sind, erfahren Sie auf unserer Seite zum Energieausweis für Nichtwohngebäude.

Was bedeuten die Werte für Eigentümer, Käufer und Mieter?

Ein Energieausweis macht Gebäude energetisch vergleichbarer. Wie relevant die einzelnen Angaben für Sie sind, hängt allerdings davon ab, aus welcher Perspektive Sie die Immobilie betrachten.

Als Eigentümer erkennen Sie, wie Ihr Gebäude energetisch eingeordnet wird. Hohe Energiekennwerte können ein Anlass sein, Heizung oder Gebäudehülle genauer prüfen zu lassen. Auch die Modernisierungsempfehlungen im Energieausweis können dafür erste Hinweise liefern.

Für Käufer und Mieter bietet der Energieausweis eine Orientierung, bevor sie sich für eine Immobilie entscheiden. Ein niedriger Energiekennwert spricht für einen geringeren energetischen Bedarf beziehungsweise Verbrauch. Die tatsächlichen Heizkosten lassen sich daraus jedoch nicht direkt ablesen. Energiepreise und das persönliche Heizverhalten spielen dabei ebenfalls eine Rolle.

Gerade beim Vergleich mehrerer Immobilien lohnt es sich deshalb, genauer hinzusehen. Prüfen Sie neben der Effizienzklasse auch den ausgewiesenen Energiekennwert und die Art des Energieausweises. So erhalten Sie ein wesentlich aussagekräftigeres Bild als durch den Blick auf einen einzelnen Buchstaben.

Energieausweis verstanden und was kommt jetzt?

Wer die wichtigsten Kennwerte kennt, kann einen Energieausweis deutlich besser einordnen. Vor allem die Ausweisart, der Energiekennwert und die Effizienzklasse helfen dabei, die energetische Qualität eines Gebäudes einzuschätzen.

Benötigen Sie selbst einen neuen Energieausweis, lässt sich dieser heute auch vollständig online beantragen. Wie Sie Ihren Energieausweis kurzfristig bekommen, erklären wir Ihnen Schritt für Schritt in unserem Ratgeber.

FAQ

Welcher Wert ist im Energieausweis besonders wichtig?

Für die energetische Einordnung sollten Sie vor allem auf den Endenergiekennwert und die Energieeffizienzklasse achten. Wichtig ist außerdem, ob ein Bedarfs- oder Verbrauchsausweis vorliegt, da die Werte unterschiedlich ermittelt werden.

Grundsätzlich gilt: Je niedriger der Energiekennwert in kWh/(m²·a), desto geringer ist der ausgewiesene Energiebedarf beziehungsweise Energieverbrauch. Die Farbskala und die Effizienzklasse helfen dabei, den Wert einzuordnen.

Die Endenergie beschreibt die Energiemenge, die für die Nutzung des Gebäudes benötigt beziehungsweise verbraucht wird. Die Primärenergie berücksichtigt zusätzlich den Aufwand für die Bereitstellung des jeweiligen Energieträgers.

Das kann völlig normal sein. Beim Bedarfsausweis stehen die zentralen Energiekennwerte auf Seite 2, beim Verbrauchsausweis auf Seite 3. Die jeweils andere Seite bleibt entsprechend unausgefüllt.

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